100 Jahre Volksbad Roitzsch - Als Roitzsch schwimmen lernte - 1927 begann die Geschichte des Volksbades
Sonntag, der 7. August 1927: Die Tage zuvor waren kühl gewesen. Doch pünktlich zur Eröffnung des neuen Volksbades zeigte sich der Sommer von seiner besten Seite. Das passte zum Anlass und lockte viele Menschen ins Freibad.
1.900 Besucher kamen zur Eröffnung. Mit Kapelle, Verkaufsbuden und einem abwechslungsreichen Programm wurde daraus ein Volksfest. Zu sehen gab es Schauvorführungen im Schwimmen und Wasserball sowie Übungen zur Lebensrettung.
Die erste Badesaison dauerte bis zum 11. September 1927. In den 34 Tagen kamen bereits 15.00 Besucher ins Volksbad. Doch das Bad war von Anfang an mehr als ein Ort zum Schwimmen. Es wurde Treffpunkt, Aufenthaltsort und Teil des täglichen Lebens. Kinder und Jugendliche verbrachten hier ihre Sommer, Freundschaften entstanden und viele Erinnerungen wurde geschaffen.
Auch für den Schulsport wurde das Volksbad genutzt. Besonders wichtig war das Schwimmenlernen. Die Kinder sollten sicher mit dem Wasser umgehen können. Das Ziel war klar: Mit Abschluss der 4. Klasse sollten alle Kinder schwimmen können.
Wer sein Schwimmzeugnis schaffte, erhielt damals al kleine Auszeichnung eine Schokolade. Für die Kinder war das sicherlich ein zusätzlicher Ansporn und ein kleines Stück Stolz, wenn das begehrte Zeugnis endlich geschafft war.
Bereits 1928 formierte sich im Roitzscher Arbeiterturn- und Sportverein Jahn die Sektion „Schwimmen“. Dem Antrag wurde entsprochen. Auch die Trainingszeit wurde festgelegt. In den Unterlagen steht: „An einem Wochenabend wird genehmigt, und zwar donnerstags von 8 – 10 Uhr.“
Bis 1933 wurde jährlich das sogenannte Totenkopfschwimmen veranstaltet. Dabei handelte es sich um ein einstündiges Langstreckenschwimmen, bei dem Ausdauer gefragt war.
Zu den Roitzscher Wassersportlern dieser Zeit gehörte der Turmspringer Helmut Werquin (1913 – 1994). Der erste Schwimmmeister des Volksbades war Otto Henze. Später übernahm Martin Piglowski diese Aufgabe. Er brachte zahlreichen Kindern das Schwimmen bei. Viele Ferienkinder konnten nach ihrem Aufenthalt in Roitzsch mit einem Schwimmzeugnis nach Hause fahren.
Die Verbindung zum Volksbad blieb auch in der Familie bestehen: Sein Enkel Dieter Fritz übernahm später die Aufgabe und war bis in die 1980er-Jahre als Schwimmmeister tätig.
Damit wurde das Volksbad zu einem Ort, an dem nicht nur gebadet wurde. Hier wurde Schwimmen gelernt, Sport getrieben und gemeinsam Zeit verbracht. Für viele Roitzscher gehören die Erlebnisse rund um das Bad bis heute zu den Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend.
Am 7. August 1927 begann diese Geschichte. Ein Jahrhundert später ist sie noch immer Teil der Geschichte von Roitzsch.
Wussten Sie schon?
15.000 Besucher kamen bereits in der ersten, nur 34 Tage dauernden Badesaison 1927 ins Volksbad. 1.900 Menschen waren allein bei der Eröffnung dabei. Und wer in Roitzsch sein Schwimmzeugnis schaffe, bekam dafür eine kleine Schokolade.
1927 – 2027
Ein Jahrhundert Volksbad – Stadtfest in Roitzsch
Redaktionsteam „100 Jahre Volksbad Roitzsch“