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30 Jahre Freundschaft und kein bisschen müde

Ein besonderes Jubiläum führt die Freunde aus Brehna und Umgebung nach Semoy. Vier Tage lang stehen Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse und viele Erinnerungen im Mittelpunkt.

Sandersdorf-Brehna. Mehr als 1.000 Kilometer liegen zwischen Brehna und Semoy. Wer die Städtepartnerschaft seit vielen Jahren begleitet, weiß allerdings: So groß ist die Entfernung eigentlich gar nicht. Spätestens wenn sich die Freunde wiedersehen, spielen Kilometer und Sprachgrenzen kaum noch eine Rolle. Das zeigte sich auch beim Jubiläumstreffen zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft in Semoy.

Fast 50 Teilnehmer aus Brehna und Umgebung machten sich auf den Weg nach Frankreich. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren waren dabei. Viele kennen ihre Gastgeber seit Jahren, manche sogar seit Jahrzehnten. Andere reisten zum ersten Mal mit.

Florence Paravis, Präsidentin des Partnerschaftskomitees in Semoy, brachte die Freude über das Wiedersehen schon bei der Ankunft zum Ausdruck: Aber jetzt seid ihr angekommen und wir freuen uns sehr, euch zu sehen.

Gerade die Gastfamilien machen diese Treffen seit vielen Jahren besonders. Nach dem gemeinsamen Programm geht es nicht ins Hotel, sondern nach Hause zu den französischen Freunden. Es wird gemeinsam gegessen, erzählt und gelacht.

Einige Familien erkundeten diesmal das Loire-Tal, andere besuchten Schloss Chambord, den Garten von Roquelin oder weitere Ziele rund um Semoy. Viele dieser Freundschaften reichen inzwischen über mehrere Generationen. Aus früher mitreisenden Kindern sind Erwachsene geworden, einige bringen heute selbst ihre Kinder mit.

Ein Höhepunkt führt am Freitag nach Paris. In der Adidas Arena, einer Wettkampfstätte der Paralympischen Spiele 2024, beschäftigen sich die Teilnehmer mit Inklusion und dem Leben von Menschen mit Behinderung.

Danach wird es gemütlicher: Deutsche und Franzosen sitzen bei einem gemeinsamen Picknick zusammen, bevor es mit dem Boot vom Canal Saint-Martin bis zur Seine geht. Paris und seine Sehenswürdigkeiten ziehen vorbei. Fast noch wichtiger ist an diesem Nachmittag jedoch, wer nebeneinandersitzt.

Der Samstag gehört dem Jubiläum. Mit dem neuen Jardin de Brehna erhält die Freundschaft in Semoy einen festen Platz. Florence Paravis und Semoys neuer Bürgermeister Christophe Sarre weihen den Garten ein. Dazu gehören ein Erinnerungsstein und eine Tafel mit den neuen Logos beider Orte.

Die Idee hatte Paravis bereits im vergangenen Herbst dem damaligen Bürgermeister Laurent Baude und weiteren Gemeindevertretern vorgestellt. Ohne zu zögern, sind sie unserem Wunsch nachgekommen, erinnert sie sich.

Im Kulturzentrum folgt der Blick zurück. Tafeln erzählen mit Bildern und Texten von 30 Jahren Partnerschaft von Jugendbegegnungen, Feuerwehr, Musik, Sport, Reisen und unzähligen Besuchen. Vieles davon wäre ohne die Familien und ehrenamtlichen Helfer auf beiden Seiten nicht möglich gewesen.

Einen besonderen Platz nimmt dabei Gudrun Weise ein. Sie hat die Arbeitsgruppe Städtepartnerschaft in Brehna über viele Jahre geführt, organisiert und immer wieder neue Ideen entwickelt. Inzwischen hat sie Verantwortung an ein Kompetenzteam aus teilweise jüngeren Mitgliedern weitergegeben. Dieses Team hat das Treffen 2026 erstmals gemeinsam vorbereitet und begleitet.

„Wenn ich eine Idee hatte, konnten wir die immer nur gemeinsam umsetzen“, sagt Weise und macht damit deutlich, dass die vergangenen 30 Jahre nie das Werk Einzelner waren.

Das gilt ebenso für Laurent Baude. Der bisherige Bürgermeister von Semoy hat die Verbindung über viele Jahre unterstützt und wird beim Festakt besonders geehrt.

„Du hast Türen geöffnet, Menschen zusammengebracht und aus einer Idee eine lebendige Freundschaft wachsen lassen“, heißt es in der Würdigung. Ein Moment, der Baude sichtlich bewegt.

Mit Christophe Sarre beginnt zugleich ein neues Kapitel. Semoys neuer Bürgermeister spricht von einer Brücke von 1128 Kilometern zwischen beiden Orten.

Brehnas Ortsbürgermeister Bernd Hubert erinnert daran, worauf diese Brücke gebaut ist: Freundschaft zwischen Städten entsteht nicht durch Unterschriften allein. Dafür brauche es offene Türen, gemeinsame Gespräche, gegenseitige Besuche und Menschen, die bereit sind, Zeit und Herz füreinander einzusetzen.

Auch das Thema der Paralympics kehrt beim Festakt zurück. Menschen mit Handicap berichten auf der Bühne von ihren Erfahrungen. Judokas mit Behinderung zeigen bei sportlichen Vorführungen ihr Können. Damit wird aus dem Thema Inklusion etwas Greifbares und Persönliches.

Nach 30 Jahren verändert sich die Partnerschaft. Menschen, die sie aufgebaut haben, geben Verantwortung weiter. Jüngere kommen hinzu. Was bleibt, sind die Gastfamilien, die Begegnungen und die Freude auf das nächste Wiedersehen.

Genau darin liegt vielleicht das Erfolgsrezept von Brehna und Semoy: Aus Gästen sind längst Freunde geworden und aus manchen Freundschaften beinahe Familien.

Thomas Schmidt