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Inbetriebnahme mobiler Videokonferenzsysteme an den Grundschulen Sandersdorf-Brehna

Im Rahmen des Förderprogramms „Mobile Videokonferenzsysteme“ hat die Stadt Sandersdorf-Brehna aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des REACT-EU-Ansatzes für die unsere Grundschulen in Sandersdorf, Brehna und Zscherndorf Fördermittel i.H.v. 37.579,92 € erhalten. Mit den insgesamt 8 modernen und mobilen Videokonferenzsystemen wird ein wichtiger Schritt Richtung zukunftsfähiger Bildung gegangen.

Unsere Welt ist zunehmend digitalisiert und vernetzt. Medienkompetenz gehört mittlerweile zu den vier Schlüsselhandlungskompetenzen eines Menschen. Den richtigen und sinnvollen Umgang mit Medien gilt es in unserer Gesellschaft genauso zu lernen und zu verinnerlichen, wie Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen - ganz unter dem Motto „früh übt sich! ".

Um digitale Angebote nutzen und bedienen zu können, ist allerdings auch die technische Ausstattung der Erziehungs- und  Bildungseinrichtungen eine notwendige Grundvoraussetzung. Insbesondere die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das Wissen um den Umgang mit Medien wichtig ist, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Die Schulen der Stadt Sandersdorf-Brehna kämpften genauso wie viele andere Bildungseinrichtungen, während der Pandemiezeit mit der Herausforderung Unterrichtsausfall abzudecken bzw. die Beschulung der Schüler, unter der Maßgabe der Eindämmung des Infektionsrisikos, sicherzustellen. 2020 und 2021 wurden Schulklassen beispielsweise in A- und B- Gruppen geteilt, die nur alle zwei Wochen im Wechsel am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen konnten. Jene Teilgruppen, die nicht am Präsenzunterricht teilnahmen, sollten sich im Homeschooling Arbeitsaufträge selbst erarbeiten und Hausaufgaben erledigen.

Die Nutzung virtueller Plattformen, wie Doodle, u.a. dienten als Kommunikationsmedium. Der direkte Kontakt zum Lehrer war erheblich eingegrenzt. Häufig lief die Kommunikation über die digitalen Medien der Eltern. Um auch zukünftig in Pandemie- und/oder Katastrophenzeiten bestmöglich Bildungsprozesse abbilden zu können, ist es empfehlenswert die medienpädagogischen Kompetenzen sowohl der lernenden als auch der lehrenden weiter auszubauen, so dass die Handlungskompetenz im Bedarfsfall abrufbar ist.

Mittel- und langfristige Zielsetzung des Vorhabens:

  • Medienkompetenz stärken für den allgemeinen Umgang in der Lebens- und Arbeitswelt und Handlungsfähigkeit in Pandemiesituationen sicherstellen,
  • Teilhabe der Kinder am Schulunterricht sowie Aktivitäten des Schulalltags und damit die Sicherstellung von Erziehungs- und Bildungsprozessen,
  • Krisensichere Kommunikationsmöglichkeit zwischen Lehrkräften, Schülern und deren Eltern (Bsp.: hybrides Lernen, digitale Elternabende, etc.).

Damit die Schüler im Homeschooling auch am Präsenz-Unterricht teilhaben können, müssen auch diese technisch ausgestattet sein. So ist es notwendig, dass die Schüler einen Laptop oder Tablet zur Verfügung haben. Dieser Voraussetzung sind wir bereits 2021 nachgekommen. Jeder Schule steht ein Klassensatz von Apple iPads (15 bzw. 16 Stück pro Schule) zur Verfügung, die von Kindern im
Homeschooling genutzt werden können. Zusätzlich hat die Stadt pro Schule einen „Ladekoffer" angeschafft, mit dem die iPads transportiert und aufgeladen werden können.

Die Ausstattung mit einer ganzheitlichen Netzwerkverkabelung und eines flächendeckenden WLANs in den Grundschulen wird aktuell mit Unterstützung des Förderprogramms „DigitalPakt Schule 2019 - 2024" umgesetzt. Bis Ende 2024 steht in allen Klassen- und Harträumen der städtischen Grundschulen WLAN-Empfang zur Verfügung.

Aktuell steht eine Internetverbindung ausschließlich in ausgewählten Räumlichkeiten, wie den PC-Kabinetten zur Verfügung. Eine Benutzung des mobilen Videokonferenzsystems ist also auch bis zur flächendeckenden WLAN-Anbindung sichergestellt.

Nutzungsmöglichkeiten

Digitalisierung des fachspezifischen und fächer- und klassenübergreifenden Präsenzunterrichtes und Neuausrichtung von Arbeitsgemeinschaften

Der klassische Frontalunterricht in Präsenz kann mittels einem Videokonferenzsystem abwechslungsreicher, praxisnäher und aktivierender gestaltet werden. Sowohl unterrichtsfachspezifisches Lehren, als auch fächerübergreifender Unterricht (Heimatkunde / Englisch oder Sport / Musik) sind z.B. als praktische Projektarbeit in kleinen Gruppen mit medienpädagogischem Anteil möglich. Da
Lehrkräfte häufig mehrere Unterrichtsfächer unterrichten, sind fächerübergreifende Themeninhalte organisatorisch durchaus unkompliziert umsetzbar.

Das digitale Touchpad ist eine sinnvolle Ergänzung zur Tafel. Komplexe Zusammenhänge können parallel visuell dargestellt werden, vertiefende Erklärungen können über Lerntools, Videos etc. zur Verfügung gestellt werden. Das Mitagieren der Schülerinnen und Schüler wird aktiviert und kann Neugier und Interesse wecken. Studien belegen, dass Lernprozesse in Kombination mit Bewegungsabläufen sich
durchaus positiv auf den Entwicklungs- und Lernprozess auswirken können. 

Arbeitsgemeinschaften werden zahlreich in den Grundschulen angeboten. Auch Englischunterricht, schulspezifischer Unterricht, Computer-Grundkurse und musikalische Früherziehung finden zusätzlich statt. Mobile Videokonferenzsysteme bieten die Möglichkeit an jene Zusatzangebote inhaltlich und didaktisch neu heranzugehen und dabei lebensweltorientiert Inhalte zu vermitteln.

Hybridunterricht/ Fern- und Distanzunterricht

Unterricht kann zeitlich und örtlich flexibel abgehalten werden, was gerade für Pandemie- und/oder Katastrophensituationen durchaus Chancen mit sich bringt. Unterrichtsausfall wird reduziert, der „persönliche" Kontakt zum Lehrer kann gewährleistet werden, pädagogisch begleitende Nutzung von Lern-Apps und zu erledigenden Aufgaben ist möglich. Kurz um: Hybrider- oder sogar Online-Unterricht
stellen sicher, dass in Zeiten eines nicht stattfindenden Präsenzunterrichts dennoch qualitativ angemessene Beschulung durchgeführt werden kann. Teilhabe wird somit auch in Krisenzeiten sichergestellt.

Lehrinhalte können von den Schülerinnen und Schülern zuhause selbst erarbeitet werden, z.B. mit Hilfe von angeleiteten Webrecherchen, über YouTube, PDFs, Podcasts, etc. (Bsp.: ANTON). Medienpädagogisches Arbeiten mit mobilen Videokonferenzsystemen fördert Empowerment und Selbstregulation. Es trägt zur spielerischen Motivation der Schüler bei und erhöht Partizipation. Die Begleitung dieser selbst zu erarbeitenden Lerninhalte durch den lehrenden mittels Videokonferenz ist dabei unerlässlich.

Die Arbeit in Projektgruppen mittels digitaler Technik ermöglicht es u.a. die Gruppen sowohl analog als auch digital je nach persönlichem Kenntnisstand, Förderbedarf und Interessenlagen der Kinder zusammenzusetzen. Differenzierte Aufgabenstellungen können angeboten werden bzw. individualisierte Arbeitsschwerpunkte können formuliert werden. Denkbar sind dabei z.B. auch altersübergreifende Projektgruppen bzw. Arbeitsgemeinschaften. 

Die Schüler zu Hause können sich damit genauso als Teil des Geschehens fühlen wie diejenigen im Klassenzimmer. Beide Gruppen werden zu einer Einheit - dies stärkt den Bildungsprozess, Erfolgserlebnisse und die Zusammenarbeit.

Digitalisierung der Elternarbeit

Elternabende können zeiteffizient und örtlich flexibel auch in Pandemiezeiten sichergestellt werden. Die Kommunikation kann visuell und anschaulich gestaltet' werden und kann unproblematisch in der Gruppe erfolgen, anders als bei einem Telefongespräch.

Notwendige und sinnvolle Kooperationen 

Größte Herausforderung, der wir entgegenblicken, ist das größere Pensum an Zeit und Aufwandsinvestition für die Lehrkräfte bei der Nutzung digitaler Medien. Uns ist der Mehraufwand für die lehrenden gerade zu Beginn durchaus bewusst. Dennoch
sehen wir langfristig einen größeren positiven Effekt für die Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung und der Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die reale Lebens- und Arbeitswelt. Hybrides Lernen und Lehren ermöglicht allen Kindern
unabhängig ihrer sozioökonomischen Hintergrundes Chancengleichheit und Teilhabe.

Wir sind uns als Schulträger durchaus bewusst, dass neben der Bereitstellung der technischen Ausstattung auch eine angemessene Einführung in die Bedienung und Nutzung sowie fortwährende Lehrerqualifizierungen angeboten werden müssen, um die Hemmschwelle für die digitale Unterrichtsgestaltung zu reduzieren (Bsp.: Multimediaberater an jeder Schule). Ziel soll sein, medienpädagogische Arbeit
kontinuierlich in die Unterrichtsgestaltung einzubinden. 

Die Zusammenarbeit mit dem Land Sachsen-Anhalt speziell dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerfortbildung Sachsen-Anhalt (LISA) sollte dazu zukünftig intensiviert werden. Lehrerfortbildungen insbesondere vor Bereitstellung der Technik sowie die Entwicklung eines hybriden didaktischen Konzepts können als Arbeitserleichterung für die lehrenden sinnvoll sein . Erst mit einem ganzheitlichen
didaktisch-hybriden Konzeptes kann ein Mehrwert aus dem hybriden Lernen geschöpft werden.

Die Stadt Sandersdorf-Brehna beteiligt sich seit diesem Jahr am „Landesmodellprojekt Hort und Schule". Die Sicherung von Ganztagsbetreuung und die Entwicklung hin zu einer Ganztagsschule soll dabei unterstützt werden. Insbesondere für Ganztagsangebote in der Kooperation von Schule und Hort können mobile Videokonferenzsysteme helfen z.B. die Hausaufgabenbetreuung motivierender zu gestalten, aber auch Freizeitbeschäftigung mit schulischen Inhalten zu koppeln.

Darüber hinaus besteht eine Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt, Kita und Schule um den Übergang der Kinder von Kita in Hort und Schule fachlich und zielführend zu begleiten. Die Vorschule soll an die Erfordernisse der Schulstruktur angepasst werden. Die Nutzung von mobilen Videokonferenzsystemen kann hier durchaus spielerisch genutzt werden, um Interesse für Lernprozesse und Schulalltag herzustellen.

  • Förderschild für mobile Videokonferenzsysteme