Sonderstadtrat am 30.03.2026 zur Drehleiter: Sicherheit, Technik und Kosten im Fokus
In einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung am 30. März 2026 befasste sich der Stadtrat der Stadt Sandersdorf-Brehna mit der zukünftigen Beschaffung einer Drehleiter für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Sandersdorf-Brehna.
Hintergrund war eine dringende Entscheidung ohne Aufschub, da eine mögliche Teilnahme an der Landesbeschaffung nur noch bis zum 31. März 2026 – also am darauffolgenden Tag – beantragt werden konnte.
Zu Beginn stellte der Stadtratsvorsitzende Andreas Wolkenhaar die Beschlussfähigkeit fest – 18 Stadträte sowie Bürgermeisterin Steffi Syska waren anwesend.
Langjähriger Beschaffungsprozess kurz vor dem Abschluss
Die Bürgermeisterin führte anschließend in die Thematik ein und stellte zunächst klar, dass die Sitzung auch deshalb einberufen wurde, um Transparenz zu schaffen. Sie betonte, dass sie persönlich den bereits begonnenen Beschaffungsprozess abschließen möchte und zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Landesbeschaffung favorisiert.
Die Anschaffung einer Drehleiter beschäftigt die Stadt seit mehreren Jahren. Bereits am 30. Juni 2021 beschloss der Stadtrat, die Verwaltung mit der Ausschreibung und Beschaffung einer Drehleiter zu beauftragen. In einem weiteren Beschluss vom 13. Dezember 2023 wurde die Bürgermeisterin damit betraut, ein Ingenieurbüro einzubinden und gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr Sandersdorf die Ausschreibung vorzubereiten.
Seitdem wird intensiv an der Umsetzung gearbeitet – zuletzt in enger Abstimmung mit der Feuerwehr, der Stadtwehrleitung sowie dem beauftragten Ingenieurbüro. „Nach eineinhalb Jahren stehen wir kurz vor dem Ziel“, machte Bürgermeisterin Steffi Syska deutlich und verwies darauf, dass die Ausschreibung bereits weit vorbereitet sei.
Neuer Vorschlag: Einstieg in die Landesbeschaffung
Auslöser der Sondersitzung war ein Änderungsantrag im vorangegangenen Haupt- und Finanzausschuss von Stadtrat Torsten Kaltofen. Dieser forderte, kurzfristig zu prüfen, ob sich die Stadt noch an einer zentralen Beschaffung des Landes beteiligen kann.
Aus der vorliegenden Kommunikation mit dem Innenministerium ging hervor, dass eine Teilnahme grundsätzlich noch möglich sei – allerdings nur, wenn innerhalb weniger Tage alle erforderlichen Unterlagen vollständig eingereicht werden.
Technischer Vergleich im Mittelpunkt
Ein zentraler Punkt der Sitzung war der direkte Vergleich zwischen einer individuell geplanten Drehleiter und einer standardisierten Landesbeschaffung. Diesen stellte der stellvertretende Stadtwehrleiter Marvin Schubert auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen ausführlich dar.
Dabei wurde deutlich, dass ein vollständiger und abschließender Vergleich zwischen Eigen- und Landesbeschaffung derzeit nur eingeschränkt möglich ist. In verschiedenen Bereichen – unter anderem Allradantrieb, Beleuchtung und Sicherheit, Leitertechnik sowie Ausstattung und Navigation – konnte keine abschließende Bewertung erfolgen, da zum Zeitpunkt der Betrachtung keine vollständigen Vergabeunterlagen für die Landesbeschaffung vorlagen.
Schubert machte deutlich, dass die Landesbeschaffung eine solide Standardlösung darstellt, während eine eigenständige Planung gezielt auf die spezifischen Anforderungen vor Ort abgestimmt werden kann.
Kontroverse Diskussion im Stadtrat
Die anschließende Diskussion zeigte deutlich unterschiedliche Sichtweisen.
Stadtratsvorsitzender Andreas Wolkenhaar übergab für diesen Tagesordnungspunkt die Sitzungsleitung, um sich selbst inhaltlich äußern zu können. Er stellte die bisher beschlossenen Kriterien infrage und argumentierte engagiert für eine erneute Prüfung. Dabei verwies er auch auf Recherchen und Vergleiche, die unter anderem von Stadtrat Torsten Kaltofen vorbereitet worden waren.
Bürgermeisterin Steffi Syska sprach sich hingegen klar dafür aus, den begonnenen Weg konsequent zu Ende zu führen:
„Die Arbeit der Ortswehrleitungen, der Stadtwehrleitung und des Ingenieurbüros jetzt infrage zu stellen, kann man niemandem erklären.“
Sie warnte zudem davor, dass das Ehrenamt zunehmend politisiert werde, und bat den Stadtrat, den eingeschlagenen Weg fortzuführen.
Auch der ehemalige Landrat und jetzige Stadtrat Uwe Schulze betonte die Bedeutung der Entscheidung für die Sicherheit der Stadt und sprach sich dafür aus, den laufenden Prozess nun abzuschließen.
Stadtrat Wolkenhaar verwies hingegen auf Gespräche auf Landesebene und sah in der Landesbeschaffung Chancen, Kosten zu sparen. Gleichzeitig zeigte er sich offen für die Überlegung von Bürgermeisterin Steffi Syska, künftig auch weitere Fahrzeuge – wie das HLF 20 für die Feuerwehr Brehna – über Landesprogramme zu beschaffen.
Stadtrat Uwe Mölle stellte für seine Fraktion klar, dass für ihn vor allem die finanzielle Situation der Stadt ausschlaggebend sei. Die bereits investierte Arbeitszeit sowie die bisherigen Planungsschritte spielten für ihn eine untergeordnete Rolle. Er begrüßte ebenfalls Steffi Syskas Idee zur Landesbeschaffung weiterer Fahrzeuge wie dem HLF für Brehna.
Zwischenzeitlich musste die Sitzungsleitung aufgrund von Überschreitungen der Redezeiten ordnend eingreifen.
Entscheidung mit knapper Mehrheit
Am Ende folgte der Stadtrat mehrheitlich dem Änderungsantrag. Mit 11 Ja-Stimmen bei 9 Nein-Stimmen wurde beschlossen, die Bürgermeisterin zu beauftragen, eine Teilnahme an der Landesbeschaffung zu beantragen.
Damit wird der bisherige Beschaffungsprozess zunächst gestoppt. Sollte die Teilnahme am Landesverfahren erfolgreich sein, müssten die bisherigen Beschlüsse zur eigenständigen Beschaffung aufgehoben werden.
Fazit:
Grundsatzentscheidung zwischen Standard und Maßanfertigung
Die Sitzung machte deutlich, dass es bei der Entscheidung nicht nur um Kosten geht, sondern vor allem um die zentrale Frage:
Standardlösung oder maßgeschneiderte Technik für die eigenen Anforderungen?
Während die Landesbeschaffung eine wirtschaftlich attraktive Option darstellen kann, bietet die eigenständige Planung Vorteile bei Ausstattung, Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten.
Die endgültige Entscheidung ist inzwischen getroffen: Der Teilnahmevertrag konnte bereits am 02.04.2026 durch die Bürgermeisterin unterzeichnet werden.
Die Stadt Sandersdorf-Brehna hat damit die Weichen gestellt zur zentralen Beschaffung einer Drehleiter des Landes Sachsen-Anhalt.