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Kleine Hürden, große Lösungen: So Rollstuhlgerecht ist Sandersdorf-Brehna

„Ein kleiner Bordstein kann im Rollstuhl zu einem unüberwindbaren Hindernis werden.“

Diese Erkenntnis war der Ausgangspunkt für eine besondere Aktion am 6. Mai in Sandersdorf-Brehna. Bürgermeisterin Steffi Syska folgte der Einladung des örtlichen Teilhabemanagements des Landkreises, um die Perspektive zu wechseln und ihre Stadt einmal aus einer anderen Sichtweise zu erkunden: aus dem Rollstuhl.

Der Sandersdorfer Mario Hahn kennt diese Perspektive nur zu gut. Als erfahrener Rollstuhlfahrer konnte er sofort konkrete Barrieren im Stadtgebiet benennen, die für Fußgänger oft unsichtbar bleiben.

„Der Bordstein vorm Zugang zum Park sieht gar nicht so hoch aus, aber da ist noch eine Rinne davor – das ist dann gar nicht so einfach hochzufahren“, erklärte Hahn. Auch Wege mit frischem Kies entpuppten sich schnell als Hindernis, dann steckt der Rollstuhl plötzlich fest.

Barrierefreiheit im Rathaus

Und wie sieht es im Rathaus selbst aus?

Ist der Weg zum Einwohnermeldeamt, um einen neuen Ausweis zu beantragen, wirklich frei? Josefine Reuter, Teilhabemanagerin des Landkreises, Jana Gleißner, Behindertenbeauftrage des Landkreises, Bürgermeisterin Steffi Syska und Mario Hahn testeten es.

Ein bisschen eng, aber machbar, lautete das Fazit im Rathaus und das wurde gleich für den Wheelmap-Eintrag vermerkt.

Das Tool hinter der Aktion: Was ist die Wheelmap?

Die Ergebnisse der Tour durch Sandersdorf landen direkt auf der weltweit größten Online-Karte für rollstuhlgerechte Orte: www.wheelmap.org.

Diese Plattform hilft Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, ihren Alltag planbarer zu gestalten. Denn häufig entscheiden erst die letzten Meter, ob sich eine Anreise zu einem Restaurant, einer Praxis oder einem Geschäft wirklich lohnt. Schon eine einzelne Stufe kann ein unüberwindbares Hindernis darstellen.

Die Wheelmap nutzt ein einfaches Ampelsystem: Grün kennzeichnet rollstuhlgerechte Orte, Gelb steht für teilweise zugänglich und Rot für nicht barrierefrei.

Nutzerinnen und Nutzer können diese Bewertungen über eine App direkt vor Ort eingeben. So entsteht eine Datenbank, die anderen hilft, sich vorher zu informieren und enttäuschende Anfahrten zu vermeiden.

Bürgermeisterin Steffi Syska sah sich mit Schwierigkeiten der Barrierefreiheit konfrontiert.

Von der Diagnose zur Lösung

Die Wheelmap-Aktionen des Örtlichen Teilhabemanagements des Landkreises sind aber mehr als nur reine Datenerhebung; sie sind ein Beleg dafür, dass Zugänglichkeit durch gemeinsames Handeln entsteht.

Ein konkretes Ergebnis dieses Dialogs ist bereits in Planung: Um die problematischen Bordsteine in Sandersdorf-Brehna zu überwinden, ohne aufwendige Baumaßnahmen durchführen zu müssen, möchte man bald flexible Gummirampen testen.

Diese sollen an neuralgischen Stellen einfach vor den Bordstein geschraubt werden, um einen sanften Übergang zu schaffen.

Alle sind eingeladen

Einträge in die Wheelmap können jederzeit vorgenommen werden.

Menschen mit und ohne Mobilitätseinschränkungen sind gleichermaßen eingeladen, mitzuhelfen und ihre Stadt barrierefreier zu machen.

Wer Interesse hat, an zukünftigen Aktionen teilzunehmen oder einfach nur Orte zu bewerten, kann sich gerne melden.

Das Projekt „Wheelmap-Aktionen in Sachsen-Anhalt“ wird im Rahmen des Landesprogramms für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.