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Sommer damals und heute 100 Jahre Volksbad Roitzsch

Ein Freibad ist mehr als Wasser, Becken und Sprungturm. Es ist ein Ort, an dem Erinnerungen entstehen, Freundschaften wachsen und Generationen ihre ganz eigenen Sommergeschichten schreiben.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1927 war das Volksbad nicht nur ein Ort der Erholung. Es bot Kindern und Jugendlichen Raum zum Spielen, Toben und Schwimmen und trug dazu bei, den Schwimmsport im Ort lebendig zu halten. Für viele Roitzscher gehören die Badetage zu den schönsten Erinnerungen ihrer Kindheit.

Auch Ortsbürgermeister Mario Willer erinnert sich noch sehr genau an seine Zeit im Freibad – und daran, dass nicht jede Idee des Nachwuchses beim Schwimmmeister auf Begeisterung stieß:

„Besonders erinnere ich mich daran, dass wir im Bad Eckhasche oder Turmhasche gespielt haben. Das bedeutete, jemand musste eine andere Person fangen. Der Weg für die Flucht war jedoch vorgegeben. Bei Eckhasche durch das Becken schwimmen, an einem Rand herausklettern, um die Ecke laufen und an der anderen Seite wieder ins Wasser springen. Bei Turmhasche führte der Weg über den Sprungturm.“

Dass solche Spiele nicht ungefährlich waren, musste Mario Willer schmerzlich erfahren. Bei einer Runde Eckhasche schlug er sich den Fuß blutig auf. Der Schwimmmeister bekam die Verletzung mit – und stellte gleichzeitig fest, dass Eckhasche und Turmhasche ausdrücklich verboten waren.

Es folgten eine Behandlung mit Jod, drei Ohrfeigen und schließlich eine spontane Schwimmprüfung, denn der kleine Mario war im Freischwimmerbecken unterwegs, obwohl er noch kein entsprechendes Abzeichen besaß. Schwimmen konnte er allerdings schon lange.

Der Schwimmmeister war damals eine wichtige Persönlichkeit im Dorf. Besonders Martin Piglowski ist vielen bis heute in Erinnerung geblieben. Er sorgte nicht nur für Sicherheit und Ordnung im Bad, sondern war für viele Kinder eine feste Bezugsperson.

Doch auch außerhalb des Freibades trafen sich die Kinder. So erinnert sich beispielsweise Heino Jänicke an die Wiese vor „Hollers“. Dort trafen sich die sogenannten Teichkinder zum Fußballspielen. Treffpunkte gab es also viele – das Volksbad war jedoch einer der Orte, an denen sich im Sommer besonders viel Dorfleben bündelte.

Und heute? Vieles hat sich verändert, doch die Rolle des Volksbades ist geblieben. Es ist weiterhin ein Ort, an dem sich Menschen treffen, gemeinsam Zeit verbringen, Sport treiben und vor allem eines tun – Erinnerungen schaffen.

Das Jubiläum „100 Jahre Volksbad Roitzsch“ blickt deshalb nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Denn die Geschichten von gestern gehören genauso zur Geschichte des Bades wie die Erlebnisse der heutigen Generation.

Möglicherweise sind es auch diese kleinen Geschichten – von verbotener Hasche, ersten Schwimmabzeichen und langen Sommertagen, die ein Freibad zu einem Stück Heimat machen.

Denn wer weiß – vielleicht erzählen in zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahren die Kinder von heute ihre ganz eigenen Geschichten über ihre Sommer im Volksbad Roitzsch.

Volksbad Roitzsch

Redaktionsteam „100 Jahre Volksbad Roitzsch“