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Stadt- und Klosterkirche (Brehna)

Die Stadt- und Klosterkirche Brehna kann auf fast 1000 Jahre Geschichte zurückblicken.
Die nach gotischer Bauart erbaute Kirche wurde im Laufe der Jahre häufig umgebaut und erweitert.
Die ungewöhnliche Größe und Form der Kirche erklären sich aus der Nutzungsgeschichte, der in ihr verschmelzenden drei inhaltlich zu trennenden Institutionen. Der Turm, welcher ursprünglich kein Kirchturm war und erst später Kirchenglocken erhielt. Die Kirche des sich ehemals südlich anschließenden Nonnenklosters sowie das Gotteshaus der Kirchengemeinde Brehna.

Die Stadt- und Klosterkirche ist umgeben von Kirchhof, der bis 1900 als Freidhof genutzt wurde. Heute ist dieser ein ca. 2 ha großer Park in landschaftlichem Stil mit u.a. verschiedenen Grabmälern des Klassizismus und der Gründerzeit.

Die Sanierung der Stadt- und Klosterkirche wird u.a. mit Spenden und Fördermittel des Fördervereins Stadt- und Klosterkirche e.V. finanziert, welcher auch jedes Jahr traditionelle und neue Veranstaltungen durchführt.

Die Stadt- und Klosterkirche wurde 2003 offiziell zur Autobahnkirche erklärt und zählt zum evangelischen Gemeindeverband Sandersdorf.


Die Geschichte der Brehnaer Stadt- und Klosterkirche

Gräfin Hedwig, die Witwe Friedrich I. Graf von Brehna (gest. 1182), einem Sohn von Markgraf Konrad des Großen von Meißen (Begründer des sächsischen Fürstenhauses der Wettiner), stiftete 1201 in Brehna ein Augustinerchorfrauenstift.
Es wurde dem Heiligen Clemens geweiht und im Laufe des Jahrhunderts reich ausgestattet. Von der ehemals wohl bemerkenswerten Anlage des Klosters ist nur das heute als Stadtkirche genutzte Gotteshaus erhalten. In ihm sind aber noch immer Spuren des Lebens der Nonnen überliefert. An der Südseite des Chores befindet sich noch der ehemalige, heute umgebaute Nonnenchor.

Er ist durch eine Mauer vom Kircheninneren abgetrennt. Der Raum ist über eine Treppe neben der Sakristei zu erreichen. In seine Ostwand ist eine gotische Sakramentsnische mit einer für diese Zeit typischen profilierten Vorhangbogenrahmung eingelassen. Ein Kreuz, in das die schwer leserliche Jahreszahl 1508 eingemeißelt ist, krönt diese Nische. In der Sakristei unterhalb der Nonnenempore hat sich eine eisenbeschlagene Holztruhe erhalten, die in das 15. Jahrhundert datiert wird.

Die Kirche ist im Ursprung romanisch, wurde jedoch mehrfach umgebaut. Ihr großer Westquerturm, der wohl auf romanischen Grundmauern ruht, wurde in gotischer Zeit erneuert. Im Turmbau findet sich ein spätgotisches Kreuzgewölbe. Das Kirchenschiff, ein in der Romanik ursprünglich einschiffiger Bruchsteinbau, wurde in der Gotik nach Norden hin zu einer flachgedeckten, zweischiffigen Anlage erweitert. Im Osten baute man, ebenfalls in der Zeit der Gotik, in der Breite des älteren, ersten Kirchenschiffes eine eingezogene, dreiseitig geschlossenen Choranlage mit eigenem Satteldach an.


Die Ausstattung der Stadt- und Klosterkirche Brehna
(von Dr. Bettina Seyderhelm)

„Die Ausstattung des Kircheninnenraumes verdient unsere Beachtung.
Sie entstand erst nach der Einführung der Reformation 1526 und der Aufhebung des Klosters 1541.
Zu nennen ist hier eine hölzerne Kanzel aus der Zeit um 1600, die in ihren Brüstungsfeldern die Bilder der vier Evangelisten trägt.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der große Altaraufbau aus dem 17.Jahrhundert in den Teile eines recht bemerkenswerten Schnitzaltars vom Beginn des 16. Jahrhunderts eingefügt sind. Im Mittelschrein sieht man eine Gruppe der Anna selbtritt* umgeben von zwei unbekannten männlichen Heiligen. In den Seitenflügeln rechts die Heilige Margarethe und Stephanus, links die Heiligen Georg und Martin. Reste einer spätgotischen Bemalung der Außenflügel sind ebenfals erhalten: Wiederum sehen wir Anna selbtritt, dazu eine weibliche Heilige mit einem Kreuzstab in der Hand. Später baute man in ihn einen dreizonigen barocken Altaraufbau mit gewundenen Säulen, Gemälden der Kreuzigung und Auferstehung und einer Darstellung des Abendmahls in der Predella ein.
Der Taufstein mit einem bemerkenswert großem Zinneinsatz sowie die Empore mit den gedrehten Säulen stammen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert.
Die reichgeschmückte Patronatsloge wird in das 18. Jahrhundert datiert.
Die Bemalung der südlichen Chorwand stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ein sehr wertvolles Stück der Kirchenausstattung, das noch in Benutzung gewesen seien könnte, als Katharina von Bora in Brehna lebte, wird seit der Jahrhundertwende im Museum Moritzburg aufbewahrt.
Es handelt sich um eine von der Zeit gezeichnete Stickerei auf Leinen die früher in das 13. Jahrhundert, neuerdings aber in das 15. Jahrhundert datiert wird.
Auf zwei quadratischen Stücken sehen wir ein Bild der Auferstehung Christi, sowie darüber eine Reihe weiterer Figuren, vielleicht eine Darstellung der Anbetung Christi unter einer Bogenarkade.

*Anna selbtritt
ist die Bezeichnung einer Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Selbtritt ist kein Name sondern ein veralteter Ausdruch für "zu tritt".“


Weitere Informationen finden Sie unter:
Förderverein Stadt- und Klosterkirche Brehna e.V. - http://www.kirche-brehna.de/
Gemeindeverband Sandersdorf – Autobahnkirche Brehna - http://www.autobahnkirche-brehna.de/
Lutherweg in Sachsen-Anhalt - Homepage "Lutherweg" in Sachsen-Anhalt


Quelle:
Sabine Oszmer: Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Bd. 13, Landkreis Bitterfeld. Halle 2004.
Stadt Brehna (Hg.): Brehna, 725 Jahre Stadtrecht. Brehna 1999.
Dr. Katja Münchow: Hausgeschichten denkmalgeschützter Bauten in Brehna. Heimat- und Geschichtsverein Brehna e.V. (Hg.). Brehna 2003.
M. Johann Jakob Köhler: Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena. Festschrift zur 950. Wiederkehr der urkundlichen Ersterwähnung des Namens Brehna am 29. September 1053. Bearb. v. Armin Feldmann. Heimat- und Geschichtsverein Brehna e.V. (Hg.). Brehna 2003.

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